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Dieses Buch
handelt von meiner – unserer – Orientierung in kritischer Zeit. Alles
begann mit einer Unvorsichtigkeit: Mit der Niederschrift der noch frischen
Erinnerungen über das Jahr 1945. Da ist nun festgehalten, welche Wege
ich einzuschlagen versuchte, um dem Inferno zu entkommen. Wie ich schließlich
doch noch davongekommen bin. Nichts Spektakuläres: Kriegsalltag eben,
Gefangenenalltag, ein Millionenschicksal! – Aber der Bericht spiegelt
eben auch die Innenseite: Die Gefühls- und Gedankenwelt des Achtzehnjährigen,
die sprachliche Ausdrucksweise, die ich mit vielen meiner Zeit- und Altersgenossen
teilte. Die mir, - die uns - heute so fremd geworden ist.
Eine andere Stufe der Orientierung begann mit der erneuten Beschäftigung
mit dem alten Text, fünf Jahrzehnte später. Mit den Fragen des
Historikers nach dem Bewußtsein von Jugendlichen im Dritten Reich,
nach der »Flakhelfermentalität«, nach der Haltung der Soldaten
und der Bevölkerung, soweit ich sie wahrnehmen konnte. Dies führte
zunächst zurück auf die frühen Prägungen von Kindheit
und erster Jugend seit der Weltwirtschaftskrise, auf Vorbilder und Leitvorstellungen,
die in der Erinnerung ihre Spuren hinterlassen haben.
In einer dritten Stufe der Orientierung geht es – vor dem Hintergrund
unseres heutigen Wissens - um die Deutungen der Verstrickungen in die
Zeit, um die Aufklärung der »blinden Stellen« im damaligen
Bewußtsein, um die nationalen Krisen vor meiner Zeit, kurz: Auch
um ein Stück »Bewußtseinsgeschichte«.
Die kritische Rückbesinnung in Dialogen mit jüngeren
und älteren Menschen soll der Verständigung zwischen den Generationen
dienen. Der Austausch außergewöhnlicher persönlicher Erfahrungen
bietet überraschende historische Einblicke, öffnet neue Perspektiven
und Denkanstöße für eine umfassendere Betrachtungsweise.
- Mein tiefer Dank gilt allen Gesprächspartnern! Auch Thomas Lünendonk
danke ich für ein erstes, fruchtbares Vorgespräch, 1997.
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